Küken aufziehen –
Die ersten 8 Wochen
Von der Aufzuchtbox bis zur Eingliederung in die Herde – wie du frisch geschlüpfte Küken sicher und gesund durch die kritischen ersten Wochen bringst.
Aufzuchtbox einrichten – das Zuhause der ersten Wochen
Die Aufzuchtbox (Brooder) ist der kritischste Faktor in den ersten Lebenstagen. Küken können nicht selbst ihre Körpertemperatur regulieren – die Umgebung muss das für sie übernehmen.
Box-Anforderungen
- ✓Mindestfläche: Ca. 0,05–0,1 m² pro Küken in den ersten 2 Wochen. 10 Küken brauchen mindestens 0,5 m² – eher mehr.
- ✓Zugluftschutz: Wände hoch genug, damit keine Zugluft eindringt. Kisten, Kübel, Holzrahmen oder spezielle Aufzuchtkästen sind geeignet.
- ✓Einstreu: Hobelspäne (entstaubt), Hanfeinstreu oder Küchenpapier in den ersten 3 Tagen. Kein Zeitungspapier – zu glatt, Küken können Spraddelbeine bekommen.
- ✓Griffige Unterlage besonders in den ersten Tagen – Küken brauchen Halt beim Laufen.
- ✓Sicherung nach oben: Küken klettern und hüpfen ab Woche 2 – offene Boxen brauchen ein Netz oder Gitter obendrauf.
Aufstellort
- ✓Warm, zugfrei, keine direkte Sonneneinstrahlung (Überhitzung!)
- ✓Nicht in Garage oder unbeheiztem Schuppen in den ersten 3 Wochen
- ✓Fern von anderen Tieren – Katzen, Hunde und auch erwachsene Hühner sind eine ernste Bedrohung
Wärmeversorgung – Woche für Woche
Küken sind in den ersten Wochen wechselwarm – sie können ihre Körpertemperatur nicht selbst regulieren. Zu kalt bedeutet Auskühlung und Tod, zu warm bedeutet Hitzestress und geschwächtes Immunsystem.
Wärmelampe vs. Wärmeplatte
| Kriterium | Wärmeplatte | Wärmelampe |
|---|---|---|
| Sicherheit | Sehr hoch – kein Brandrisiko | Brandgefahr bei Kontakt/Sturz |
| Natürlichkeit | Wie unter der Glucke – kein Dauerlicht | Dauerlicht stört Schlaf-Wach-Rhythmus |
| Energieverbrauch | Sehr gering (15–25 W) | Hoch (100–250 W) |
| Anschaffung | 30–80 € | 5–20 € |
| Empfehlung | Erste Wahl | Nur als Notlösung |
Temperatur Woche für Woche
Küken brauchen maximale Wärme. Heiße Zone unter der Platte / Lampe, kühle Zone muss erreichbar sein.
Erste Federn wachsen. Temperatur leicht senken – 3 °C pro Woche als Faustregel.
Flügelfedern fast vollständig. Küken werden aktiver, erkunden die Box.
Gefieder wächst schnell. Beginn der Abhärtungsphase – wenn Außentemperatur es erlaubt.
Halbflügge. Bei mildem Wetter erste kurze Ausflüge ins Freie möglich (unter Aufsicht).
Vollständig befiedert. Bei Außentemperaturen über 15 °C kein künstliche Wärme mehr nötig.
Wie erkennst du, ob die Temperatur stimmt?
Das beste Thermometer ist das Verhalten der Küken selbst:
- ✓Zu kalt: Küken drängen sich unter die Wärmequelle, übereinander, piepen laut und klagend. Sofort wärmer stellen.
- ✓Zu warm: Küken halten sich weit von der Wärmequelle entfernt, Flügel hängen, hecheln. Sofort kühler stellen oder mehr Abstand schaffen.
- ✓Genau richtig: Küken verteilen sich gleichmäßig in der Box, aktives Verhalten, ruhiges kurzes Piepen.
Futter & Wasser – das richtige in der richtigen Form
In den ersten 24 Stunden nach dem Schlupf brauchen Küken weder Futter noch Wasser – sie zehren vom Dottersack. Danach ist beides entscheidend.
Kükenstarter-Futter
- ✓Küken-Startmehl oder -Krümel (Partikelgröße <2 mm) – Körner sind zu groß und können zum Ersticken führen.
- ✓Proteingehalt ca. 18–20 % – Küken brauchen mehr Eiweiß als adulte Hühner für das Federwachstum.
- ✓Kein normales Legehennenfutter – zu viel Calcium schädigt die noch unreifen Nieren der Küken.
- ✓Futter ad libitum – Küken regulieren selbst, sie fressen nicht zu viel. Futtertröge immer gefüllt halten.
- ✓Ab Woche 6–8 auf Aufzuchtfutter (16–18 % Protein) wechseln – Legehennenfutter erst ab erstem Ei.
Grit (Körnermagenstein)
Sobald Küken echtes Futter oder Grünzeug bekommen, brauchen sie Grit (Kalksteinchen oder Granitgrit). Die Muskelmagen braucht diese kleinen Steine, um Körner und hartes Futter zu zerkleinern. Kein Kalkstein in den ersten Wochen – das hat zu viel Calcium.
Wasser – sicher und frisch
- ✓Flache Tränke oder Tränke mit Kieselsteinen/Murmeln – Küken können in tiefen Behältern ertrinken.
- ✓Wasser immer frisch – mindestens 1× täglich wechseln. Küken verschmutzen Wasser schnell durch Einstreu und Kot.
- ✓Zimmertemperatur – kein eiskaltes Wasser in den ersten Wochen, das kostet Körperwärme.
- ✓In der ersten Woche optional: Elektrolyte oder Vitamintropfen ins Wasser – stärkt geschwächte Küken nach dem Schlupf.
Entwicklung – was in den 8 Wochen passiert
Küken entwickeln sich rasend schnell. Die Kenntnis der Entwicklungsphasen hilft dir, abnormales Verhalten früh zu erkennen und richtig einzuschätzen.
🐣 Tag 1–3: Ankunft
Küken taumeln und schlafen viel – das ist normal. Sie lernen gehen und picken. Erstes Fressen und Trinken zeigen, indem du Futter leicht beklopfst.
🌱 Woche 1: Flügelknospen
Erste Flügelfedern brechen durch. Küken erkunden aktiv. Beobachte Kot: Weiß mit braunem Kern ist normal. Rein roter Kot kann auf Kokzidien hinweisen.
🪶 Woche 2–3: Befederung
Flügel und Schwanzfedern wachsen. Der "ugly duckling"-Phase – Federn kommen ungleichmäßig, Küken sehen zerzaust aus. Völlig normal.
🔥 Woche 3–4: Rangordnung
Erste Rangordnungskämpfe – Picken, Jagen. Solange kein Blut fließt, ist das normal. Gut strukturierter Raum mit Rückzugsmöglichkeiten hilft.
🌿 Woche 4–6: Halbflügge
Küken sind schon gut befiedert, aber noch nicht vollständig. Erste Ausflüge ins Freie möglich. Krankheitsrisiko durch Draußen sinkt mit jeder Woche.
🐔 Woche 6–8: Junghennen
Vollständig befiedert, temperaturunabhängig. Geschlechtsunterschiede werden sichtbarer – Hähne zeigen Kammwachstum und Sporen. Herdeneingliederung möglich.
Gesundheit – häufige Probleme & Gegenmaßnahmen
Die meisten Kükenerkrankungen sind vermeidbar. Sauberkeit, richtige Temperatur und gute Fütterung verhindern 80 % aller Probleme.
| Problem | Symptome | Ursache | Maßnahme |
|---|---|---|---|
| Pasty Butt (Kleben am After) | Kotverkrustung am After, Küken kauert | Stress, Kälte, falsches Futter | Mit warmem feuchtem Tuch vorsichtig lösen – nie mit Gewalt. Täglich prüfen. |
| Spraddelbeine | Beine spreizen unkontrolliert | Glatter Untergrund, Inkubator zu heiß/kalt | In den ersten 3 Tagen: Beine mit weichem Band in Normalposition halten. Griffige Unterlage! |
| Kokzidiose | Blutiger oder schleimiger Kot, Apathie, Gewichtsverlust | Einzeller-Parasit Eimeria, bei feuchter Einstreu | Tierarzt – Amprolium oder Toltrazuril. Einstreu sofort wechseln, Stall desinfizieren. |
| Mareks Krankheit | Lähmungen, Augenveränderungen, Tumore | Herpesvirus – hoch ansteckend | Schutzimpfung am Schlupftag (Hatchery oder Tierarzt). Kein Heilmittel, nur Prävention. |
| Atemwegserkrankungen | Rasseln, Niesen, Augenausfluss | Zugluft, Mykoplasmen, Viren | Zugluft eliminieren, Tierarzt bei persistierenden Symptomen. Kranke Tiere sofort isolieren. |
| Vitaminmangel | Schwäche, Zittern, Wachstumsverzögerung | Schlechtes Startfutter, kein Sonnenlicht | Vitamin-AD3E-Tropfen ins Wasser, Futterqualität prüfen. |
In die Herde – Eingliederung ohne Stress
Die Eingliederung junger Hühner in einen bestehenden Bestand ist der kritischste Sozialmoment. Erwachsene Hühner verteidigen ihre Rangordnung – für Küken kann das lebensbedrohlich sein, wenn nicht richtig vorgegangen wird.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
- ✓Frühestens ab Woche 6–8, wenn die Küken vollständig befiedert und kräftig genug sind.
- ✓Optimal wenn Junghennen ähnlich groß wie die kleinste adulte Henne – so werden sie nicht als hilflose Beute wahrgenommen.
- ✓Bei Mareks-Impfung: erst 2 Wochen nach Impfung in den Bestand – Immunität braucht Zeit.
Die richtige Vorgehensweise
- ✓Phase 1 – Sichtkontakt: Junghennen in einem separaten Gehege neben dem Bestand, 5–7 Tage. Sie können sich sehen und riechen, aber nicht angreifen.
- ✓Phase 2 – Gemeinsamer Auslauf: Unter Aufsicht, im großen Freiraum. Anfangs ausreichend Ausweichmöglichkeiten schaffen.
- ✓Phase 3 – Gemeinsamer Stall: Erst wenn keine schweren Angriffe mehr im Auslauf. Nachts zusammen einlassen – Dunkel reduziert Aggression.
- ✓Mehrere Futterstellen und Tränken – rangniedere Tiere müssen trotz Aggression fressen und trinken können.
- ✓Rückzugsecken – Versteckmöglichkeiten, durch die nur Junghennen passen (z. B. kleines Loch in einer Trennwand).
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Häufig gestellte Fragen
Wie lange brauchen Küken künstliche Wärme?
Woche 1: ca. 35 °C direkte Wärme, danach pro Woche ca. 3 °C weniger. Vollständig befiederte Küken (ab Woche 5–6) sind bei milden Außentemperaturen wärmeunabhängig. Drängen sie sich zusammen, ist es zu kalt – meiden sie die Wärmequelle, ist es zu heiß.
Ab wann dürfen Küken nach draußen?
Vollständig befiederte Küken ab etwa 6–8 Wochen bei Außentemperaturen über 15 °C. Erste Ausflüge kurz und auf gesichertem, trockenem Boden. Nasse Küken kühlen extrem schnell aus und können an Unterkühlung sterben.
Wie integriere ich Junghühner sicher in die bestehende Herde?
Erst ab 8–12 Wochen integrieren. Dann 1–2 Wochen Sichtkontakt durch Gitter, danach gemeinsame Zeit unter Beobachtung. Hackordnungs-Kämpfe sind normal – solange kein Blut fließt, nicht eingreifen. Ausreichend Futter- und Wasserstellen reduzieren Konflikte.
Was fressen Küken in den ersten Wochen?
Ab Tag 1 spezielles Kükenstarter-Futter: eiweißreich (18–22 %), fein gemahlen, kein Kalk. Ab Woche 3 schrittweise auf Aufzuchtfutter umstellen. Kein Legemehl in den ersten 18–20 Wochen – der hohe Kalziumgehalt belastet die unreifen Nieren.
Wann erkenne ich das Geschlecht der Küken?
Bei den meisten Rassen ab Woche 4–6 an Kamm- und Lappenentwicklung: Hähne entwickeln früher und kräftiger rote Kämme. Bei autosexierenden Rassen ist das Geschlecht ab Schlupf erkennbar. Professionelles Kloaken-Sexen ist ab Tag 1 möglich.
📅 Letzte Bearbeitung: 20. Juni 2026