Drehkrankheit beim Huhn: Ursachen, Symptome & was jetzt zu tun ist

🕐 Lesedauer: ca. 5 Minuten 📅 Juni 2026 💊 Gesundheit & Krankheiten
Kurzfassung
  • Drehkrankheit = Tortikollis – Kopf/Hals dreht sich unkontrolliert
  • Häufigste Ursache: Vitamin-E-/Selen-Mangel – gut behandelbar
  • Gefährlichste Ursache: Newcastle Disease – meldepflichtig
  • Sofort: isolieren, Futter & Wasser erreichbar machen, Tierarzt
  • Bei Vitamin-E-Mangel erholen sich viele Tiere innerhalb von 2–8 Wochen

Was ist Drehkrankheit beim Huhn?

Wenn ein Huhn den Kopf zur Seite dreht, ihn nach hinten wirft oder sich im Kreis bewegt – das nennt man umgangssprachlich Drehkrankheit. Medizinisch korrekt ist es ein Tortikollis (Schiefhals) oder eine opisthotonische Haltung (Kopf rückwärts geworfen).

Wichtig zu verstehen: Drehkrankheit ist kein eigenständiger Krankheitsname, sondern ein Symptom. Es zeigt an, dass etwas mit dem Nervensystem nicht stimmt. Die Ursache zu finden ist entscheidend – denn die Behandlung und die Prognose hängen direkt davon ab.

Achtung – sofort Tierarzt bei diesen Zeichen

Wenn mehrere Tiere gleichzeitig betroffen sind, oder wenn Atemnot, Durchfall und grün-gelber Kot dazukommen – sofort Veterinäramt anrufen. Das kann Newcastle Disease sein, eine meldepflichtige Seuche.

Die häufigsten Ursachen im Überblick

Vitamin-E- / Selen-Mangel

Häufigste Ursache bei Küken und jungen Hühnern. Tritt auf wenn Futter zu alt ist (oxidiertes Vitamin E) oder einseitig gefüttert wurde.

Prognose: gut – gut behandelbar

Newcastle Disease (ND)

Hochansteckende Virusinfektion. Nervensymptome oft nach akuter Phase. Meldepflichtig. Impfung schützt.

Prognose: schlecht – oft tödlich

Marek'sche Krankheit

Herpesvirus befällt Nerven. Häufig bei ungeimpften Tieren unter 6 Monaten. Lähmungen, Gewichtsverlust.

Prognose: schlecht – keine Heilung

Verletzung / Mittelohrentzündung

Kopfstoß, Sturz oder Entzündung im Innenohr können Gleichgewichtsstörungen verursachen.

Prognose: gut – je nach Schwere

Es gibt weitere seltenere Ursachen: Bleivergiftung, Botulismus (verdorbenes Futter), Thiamin-Mangel. Ein Tierarzt kann durch Anamnese und ggf. Bluttest eingrenzen was vorliegt.

Symptome: Woran erkennst du Drehkrankheit?

Das Bild variiert je nach Ursache, aber typische Zeichen sind:

  • Kopf wird zur Seite gehalten oder dreht sich unfreiwillig
  • Kopf wird rückwärts geworfen (opisthotonische Haltung)
  • Tier dreht sich im Kreis oder kann nicht gerade laufen
  • Verlust des Gleichgewichts, Fallen, Rollen
  • Schwierigkeiten beim Fressen und Trinken
  • Bei schweren Fällen: Krampfanfälle

Was NICHT dazugehört (dann andere Diagnose)

  • Normales Nicken beim Picken – das ist kein Symptom
  • Kurzzeitiges Erschrecken mit Kopfbewegung
  • Schütteln nach dem Baden

Was du sofort tun solltest

  1. Tier isolieren. Betroffene Hühner werden von gesunden Tieren oft angepickt oder getreten. Eine separate Box mit Wärme (falls Küken) schützt das Tier.
  2. Futter und Wasser erreichbar machen. Teller flach auf den Boden stellen. Tränken so positionieren, dass das Tier ohne normales Gleichgewicht trinken kann.
  3. Vitamin E + Selen geben. Als erste Maßnahme bei unklarer Ursache: 1 TL Weizenkeimöl täglich ins Futter, oder ein Geflügel-Vitaminpräparat (z.B. Nekton-E). Wenn Vitamin-E-Mangel vorliegt, helfen erste Zeichen oft innerhalb von Tagen.
  4. Tierarzt aufsuchen. Ohne Diagnose bleibt die Behandlung ein Ratespiel. Der Tierarzt kann Newcastle, Marek und Vergiftungen eingrenzen – wichtig für die Entscheidung ob Behandlung sinnvoll ist.
  5. Herde beobachten. Zeigen weitere Tiere Symptome? Wenn ja, sofort Veterinäramt anrufen – das könnte Newcastle sein.

Vitamin-E-Mangel behandeln: So geht's konkret

Da Vitamin-E-/Selen-Mangel die häufigste und am besten behandelbare Ursache ist, lohnt es sich diese als erstes auszuprobieren (parallel zur Tierarzt-Konsultation):

  • Weizenkeimöl: 1 TL täglich unter das Futter mischen – reich an natürlichem Vitamin E
  • Sonnenblumenkerne: Ebenfalls vitamin-E-reich, als Ergänzungsfutter
  • Fertigpräparate: Nekton-E, Biranol oder Multivit-Geflügel – Dosierung laut Packungsangabe
  • Selen: In kleinen Mengen über selenreiches Kraftfutter oder Natriumselenit-Zusatz – Vorsicht bei Dosierung, Selen ist in Überdosis giftig

Bei Vitamin-E-Mangel ist Geduld nötig: erste Verbesserungen nach 3–7 Tagen, vollständige Erholung dauert oft 4–8 Wochen. Manche Tiere behalten eine leichte Kopfschiefhaltung dauerhaft.

Wie du Drehkrankheit vorbeugst

  • Marek-Impfung: Küken am ersten Lebenstag impfen – schützt vor einer der häufigsten Nervenerkrankungen
  • Newcastle-Impfung: Besonders bei größeren Beständen oder Freilandhaltung empfehlenswert
  • Frisches, hochwertiges Futter: Altes oder falsch gelagertes Futter verliert Vitamin E durch Oxidation – kein Futter verwenden das älter als 3 Monate ist
  • Abwechslungsreiche Fütterung: Getreide allein deckt den Vitaminbedarf nicht – Alleinfutter plus frische Kräuter und Grünfutter
  • Kein vergammeltes Futter: Botulismus entsteht durch faulendes organisches Material im Auslauf – Kadaver, Kompost, faulendes Gras entfernen

Häufige Fragen zur Drehkrankheit beim Huhn

Was ist Drehkrankheit beim Huhn?

Drehkrankheit (Tortikollis) beim Huhn ist ein Symptom, bei dem das Tier den Kopf und Hals verdreht, nach hinten wirft oder sich im Kreis dreht. Es handelt sich um eine neurologische Störung – keine eigenständige Krankheit, sondern ein Zeichen für eine Grunderkrankung. Häufigste Ursachen: Vitamin-E-/Selen-Mangel, Newcastle Disease, Marek'sche Krankheit oder Verletzung.

Kann ein Huhn mit Drehkrankheit überleben?

Ja, abhängig von der Ursache. Bei Vitamin-E-/Selen-Mangel ist die Prognose gut – viele Tiere erholen sich innerhalb von Wochen mit Supplementierung. Bei Newcastle Disease oder Marek ist die Prognose schlechter. Wichtig: betroffene Tiere sofort isolieren und einen Tierarzt aufsuchen.

Was tun wenn ein Huhn Drehkrankheit hat?

Sofortmaßnahmen: (1) Tier isolieren. (2) Wasser und Futter auf Bodenniveau stellen. (3) Vitamin E und Selen supplementieren (Weizenkeimöl oder Fertigpräparate). (4) Tierarzt aufsuchen zur Diagnose. (5) Herde beobachten ob weitere Tiere betroffen sind.

Ist Drehkrankheit beim Huhn ansteckend?

Das Symptom selbst ist nicht ansteckend, aber die Grunderkrankung kann es sein. Newcastle Disease ist hochansteckend und meldepflichtig – bei Verdacht sofort Veterinäramt informieren. Vitamin-E-Mangel und Verletzungen sind nicht ansteckend.

Wie lange dauert die Erholung bei Drehkrankheit?

Bei Vitamin-E-/Selen-Mangel: erste Verbesserung oft nach 3–7 Tagen, vollständige Erholung nach 2–8 Wochen – manche Tiere behalten eine leichte Kopfschiefhaltung dauerhaft. Bei anderen Ursachen ist der Verlauf abhängig von der Erkrankung und dem Behandlungserfolg.

Welche Vitamine helfen bei Drehkrankheit beim Huhn?

Vitamin E und Selen sind die wichtigsten Nährstoffe bei vermutetem Mangelzustand. Praktische Gabe: 1 TL Weizenkeimöl täglich ins Futter, oder spezifische Geflügelpräparate (z.B. Nekton-E). Immer mit dem Tierarzt absprechen um Überdosierung zu vermeiden.

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Daniel Schwalb – Autor
Hobbyhalter seit über 10 Jahren · Praxiserfahrung mit Hühnergesundheit, Brut & Stallbau
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