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Eileiterentzündung –
Salpingitis & Peritonitis

Wenn die Henne aufhört zu legen, der Bauch weich anschwillt und das Tier apathisch wird – oft steckt eine Eileiterentzündung dahinter. Was du wissen musst, um rechtzeitig zu handeln.

🔬 Salpingitis 💧 Eitrige Flüssigkeit 🩺 Antibiotika ⚠️ Oft chronisch
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Was ist eine Eileiterentzündung?

Die Eileiterentzündung (Salpingitis) ist eine bakterielle Infektion des Eileiters (Ovidukts) der Henne. Sie gehört zu den häufigsten Erkrankungen legender Hühner und kann lebensbedrohlich werden, wenn sich die Infektion auf die Bauchhöhle ausbreitet (Peritonitis).

Anatomie des Eileiters

Der Eileiter der Henne besteht aus fünf Abschnitten, die das Ei nacheinander passiert:

  • 1Infundibulum – fängt die Eizelle nach dem Eisprung auf; hier findet die Befruchtung statt
  • 2Magnum – produziert das Eiklar (Albumin), verweilt das Ei etwa 3 Stunden
  • 3Isthmus – bildet die Eischalenhäute
  • 4Uterus (Schaldrüse) – mineralisiert die Eischale, das Ei verbringt hier 18–20 Stunden
  • 5Vagina – transportiert das fertige Ei zur Kloake und Ablage

Wie entsteht die Infektion?

Die häufigsten Eintrittspforten für Bakterien sind aufsteigende Keime über die Kloake – begünstigt durch Legenot, mechanische Verletzungen beim Eiablegen, Mangelernährung (Kalzium, Vitamine) oder allgemeine Abwehrschwäche. Selten erfolgt die Infektion über die Blutbahn (hämatogen) oder aus benachbarten Organen.

Häufige Erreger

ErregerBesonderheiten
Escherichia coliHäufigster Erreger; normalerweise im Darm, bei Schwäche invasiv
Pasteurella multocidaTritt oft zusammen mit anderen Atemwegserkrankungen auf
Salmonella spp.Selten, aber meldepflichtig und zoonotisch relevant
Mycoplasma spp.Chronische Verläufe, schwer zu eliminieren
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Legenot als Auslöser Eine unbehandelte oder schlecht verlaufende Legenot erhöht das Risiko einer Eileiterentzündung erheblich. Nach jeder Legenot-Episode sollte die Henne engmaschig beobachtet werden. → Artikel zu Legenot
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Symptome erkennen

Die Symptome einer Eileiterentzündung entwickeln sich oft schleichend und werden erst bemerkt, wenn die Erkrankung schon fortgeschritten ist. Der wichtigste Frühhinweis ist ein plötzlicher Rückgang oder Stopp der Legeleistung.

SymptomBedeutung
Legeverweigerung (plötzlich oder schleichend)Häufigstes Erstsymptom – Henne legt deutlich weniger oder gar nicht mehr
Aufgeblähter, weicher BauchAnsammlung von Eiflüssigkeit oder eitrigem Exsudat in der Bauchhöhle (Peritonitis)
Penguin-StanceHenne watschelt aufrecht stehend wie ein Pinguin – Bauch ist so voll, dass normale Körperhaltung nicht möglich
Apathie, RückzugTier sitzt gesondert, beteiligt sich nicht mehr am Herdengeschehen
GewichtsabnahmeTrotz aufgeblähtem Bauch Muskelmasse abbauend – "Pinguinbauch" mit Brustbeinknochen
Weiße Eier ohne DotterSogenannte "Kuchen-" oder "Wasserballon-Eier" – Eiklar ohne Dotter oder mit käsigen Einschlüssen
Atemprobleme bei PeritonitisFlüssigkeit drückt auf Luftsäcke; flache, schnelle Atmung

Salpingitis vs. Peritonitis – der wichtige Unterschied

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Peritonitis ist lebensbedrohlich Bei der Salpingitis ist die Entzündung auf den Eileiter begrenzt. Sobald eitrige Flüssigkeit oder Eidotter in die Bauchhöhle gelangt (Peritonitis), entsteht eine systemische Entzündungsreaktion. Ohne sofortige Behandlung führt sie innerhalb von Tagen zum Tod.
MerkmalSalpingitisPeritonitis
Betroffenes OrganEileiterBauchhöhle
BauchbefundNormal bis leicht geschwollenStark aufgebläht, fluktuierend
AllgemeinbefindenMäßig reduziertStark reduziert, Notfall
PrognoseVorsichtigErnst bis infaust
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Diagnose beim Tierarzt

Eine verlässliche Diagnose ist nur durch einen Tierarzt möglich. Die Symptome der Eileiterentzündung überschneiden sich mit Legenot, Aszites (Wassersucht), Tumoren und anderen Erkrankungen – eine Eigendiagnose ist kaum möglich und gefährlich.

Diagnostische Methoden

  • Palpation – der Tierarzt ertastet die Bauchhöhle: Flüssigkeit, verdickte Strukturen oder ein vergangenes Ei können erspürt werden
  • Ultraschall – bildgebend; zeigt Flüssigkeitsansammlungen, vergrößerte Eileiterstrukturen und den Zustand der Eierstöcke zuverlässig
  • Blutbild – erhöhte Leukozyten (weiße Blutkörperchen) bestätigen Entzündungsgeschehen; Anämie kann auf chronischen Verlauf hinweisen
  • Röntgen – bei Verdacht auf verkalkte Massen im Eileiter (Impakted Oviduct) oder Skelettveränderungen
  • Laparoskopie – in unklaren Fällen kann der Tierarzt minimalinvasiv in die Bauchhöhle schauen; gleichzeitig Probenentnahme für Bakterienkultur möglich
  • Kotprobe – nur sinnvoll zum Ausschluss von Begleitinfektionen (Parasiten, Kokzidiose)
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Bakterienkultur und Antibiogramm Wenn möglich, sollte vor dem Start der Antibiotikatherapie eine Probe für Kultur und Resistenztest eingesandt werden. So kann gezielt das wirksamste Antibiotikum gewählt und Resistenzentwicklung minimiert werden.
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Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach Schwere und Stadium der Erkrankung. Ziel ist die Beseitigung der Infektion, Linderung der Entzündung und – wenn möglich – Erhalt der Lebensqualität. Alle Medikamente sind rezeptpflichtig und dürfen nur vom Tierarzt verschrieben werden.

BehandlungsoptionAnwendungPrognose
Antibiotika (z. B. Enrofloxacin, Amoxicillin)7–14 Tage, oral oder injizierbar; gegen bakterielle ErregerGut bei frühem Einsatz
Entzündungshemmer (NSAIDs)3–5 Tage; Meloxicam häufig eingesetzt; Schmerzlinderung und EntzündungshemmungUnterstützend
Punktion der BauchhöhleEinmalig oder mehrfach durch Tierarzt; entfernt aufgestaute Flüssigkeit bei PeritonitisLindert Symptome, heilt nicht
Hormonbehandlung (GnRH-Analog, z. B. Suprelorin-Implantat)Schaltet Legetätigkeit ab; gibt Eileiter Ruhe zur Heilung; Wirkung 6–12 MonateGute Option bei chronischen Fällen
Operation (Salpingohysterektomie)Chirurgische Entfernung des Eileiters; definitiv, aber hoher EingriffGut bei unkomplizierten Fällen
EuthanasieBei schwerem Leid, infauster Peritonitis oder Versagen aller anderen MaßnahmenUltima Ratio
Niemals Antibiotika ohne Tierarzt Fehlerhafte Dosierung, falsches Präparat und zu kurze Behandlungsdauer fördern Resistenzen und können das Tier gefährden. Zudem bestehen Wartezeiten für Eier und Fleisch, die nur der Tierarzt korrekt einschätzen kann.
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Chronischer Verlauf & interner Legestop

Nicht jede Eileiterentzündung endet akut. Manche Hennen entwickeln einen chronischen Verlauf, bei dem die Entzündung immer wieder aufflammt oder der Eileiter dauerhaft geschädigt bleibt.

Internal Laying – interne Eiablage

Bei manchen Hennen löst sich der Dotter nicht mehr korrekt in das Infundibulum ab, sondern fällt direkt in die Bauchhöhle ("internal laying"). Dort kann er nicht abtransportiert werden und löst mit der Zeit eine chronische Entzündungsreaktion aus.

  • !Henne legt keine oder kaum Eier, wirkt aber äußerlich gesund
  • !Weiches, leicht schwabbeliges Abdomen ohne akute Schmerzsymptome
  • !Gelegentliche "Kucheneier" – Eier ohne harte Schale, oft ohne Dotter oder mit käsigem Inhalt
  • !Keine weiteren Krankheitszeichen über Monate – das Tier ist als "Rentnerin" stabil
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Rentnerhühner mit chronischer Salpingitis Viele Halter entscheiden sich, eine Henne mit chronischer interner Eiablage als "Rentnerhuhn" zu behalten, solange sie kein Leid zeigt. Das ist vertretbar – wichtig ist regelmäßige Beobachtung und Handeln, sobald sich der Zustand verschlechtert.

Wann wird es kritisch?

  • !Bauch wird stark größer innerhalb weniger Tage
  • !Henne sitzt dauerhaft am Boden, zeigt Penguin-Stance
  • !Futter- und Wasserverweigerung, starker Gewichtsverlust
  • !Atemprobleme – dann sofort zum Tierarzt
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Vorbeugung & häufige Fragen

Vorbeugung

  • Kalziumversorgung sichern – Muschelkalk oder Calciumgrit ständig und ad libitum anbieten; Kalziummangel ist ein Hauptauslöser für Legenot und Folgeschäden am Eileiter
  • Legenot konsequent behandeln – jede Legenot-Episode ist ein Risikofaktor für Eileiterentzündung; frühzeitig handeln und ggf. Tierarzt einbeziehen
  • Keine Überbesetzung – Stress durch zu enge Haltung schwächt das Immunsystem und begünstigt Infektionen
  • Ausreichende, ruhige Nestboxen – mindestens 1 Nestbox pro 4–5 Hennen, dunkel und sauber; verhindert Stress beim Eiablagen
  • Ausgewogene Ernährung – vitaminstoffreiches Legehennenfutter, kein einseitiger Getreideüberschuss
  • Antibiotika nach Legenot-Behandlung – wenn der Tierarzt es für sinnvoll hält, kann prophylaktisch oder kurativ eine Antibiotikagabe erfolgen
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Häufige Fragen zur Eileiterentzündung

Wie wird eine Eileiterentzündung beim Huhn diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt beim Tierarzt durch Palpation, Ultraschall, Blutbild (erhöhte Leukozyten als Entzündungsmarker) und bei Bedarf Laparoskopie oder Röntgen. Eine sichere Eigendiagnose ist kaum möglich, da die Symptome anderen Erkrankungen ähneln.

Wie lange dauert die Behandlung einer Eileiterentzündung?

Eine Antibiotikakur dauert in der Regel 7 bis 14 Tage. Entzündungshemmer werden meist 3–5 Tage eingesetzt. Chronische Fälle oder Peritonitis erfordern ein längerfristiges Management, manchmal mit Hormonimplantat (GnRH-Analog) zur Unterbrechung der Legetätigkeit.

Kann ein Huhn nach einer Eileiterentzündung wieder gesund werden?

Leichte bis mittelschwere Salpingitis spricht oft gut auf Antibiotika an, das Tier kann sich erholen und wieder legen. Chronische Verläufe oder Peritonitis haben eine deutlich schlechtere Prognose. Manche Hennen werden zu "Rentnerhühnern" mit stabiler interner Eiablage, die kein Leid verursacht.

Sind Eier von Hühnern mit Eileiterentzündung noch essbar?

Bei aktiver Infektion und laufender Antibiotikatherapie sollte man keine Eier verzehren – es gelten gesetzliche Wartezeiten. Erkrankte Hennen legen ohnehin oft keine normalen Eier. Nach Abschluss der Behandlung und Einhalten der Wartezeit sind die Eier wieder unbedenklich. Im Zweifel immer den Tierarzt fragen.

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Daniel Schwalb – Autor
Hobbyhalter seit über 10 Jahren · Praxiserfahrung mit Hühnergesundheit, Brut & Stallbau
→ Mehr über diese Seite 📅 Letzte Bearbeitung: 11. Juni 2026