Hühner füttern –
Was fressen Hühner?
Was Hühner fressen dürfen, was sie nicht vertragen und wie sich der Bedarf nach Lebensphase unterscheidet – der komplette Fütterungsguide.
Grundfutter – die Basis der Ernährung
Hühner brauchen als Grundlage ein Alleinfuttermittel – kein Körnermix und keine Essensreste. Küchen- und Speiseabfälle dürfen Legehennen zudem nicht verfüttert werden. Alleinfuttermittel enthält alle essenziellen Nährstoffe in der richtigen Balance.
Die drei Grundfutterarten im Vergleich
| Form | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Mehl / Schrot | Hühner können nicht sortieren, alle Nährstoffe aufgenommen | Staubt, manche Hühner mögen es weniger |
| Pellets | Sauber, wenig Verschwendung, schnell gefressen | Weniger Beschäftigung, manche Hühner bevorzugen Körner |
| Körner-Mischung allein | Hühner lieben es | NICHT als Alleinfutter geeignet – fehlende Vitamine, zu wenig Protein |
Tagesbedarf
- →Legende Henne: ca. 100–130 g Alleinfuttermittel täglich.
- →Freilandhaltung mit gutem Bewuchs: Bedarf sinkt deutlich, da Insekten, Würmer und Gräser ergänzt werden.
- →Körner abends in kleinen Mengen als Ergänzung: max. 20–30 % der täglichen Ration.
Was Hühner NICHT fressen dürfen
Hühner fressen vieles – aber nicht alles ist sicher. Diese Lebensmittel und Pflanzen können ernsthaft krank machen oder tödlich sein:
Giftige Gartenpflanzen
Im Freiland picken Hühner an Pflanzen. Diese im Auslauf oder in Reichweite vermeiden: Efeu, Fingerhut (Digitalis), Goldregen, Lupinen, Eibe, Oleander und Herbstzeitlose. Hühner meiden Giftpflanzen oft instinktiv, aber verlasse dich nicht darauf. Einen vollständigen Überblick bietet der Ratgeber zu Giftpflanzen im Hühnerauslauf.
Extras & Leckereien – was Hühner lieben
Leckereien bereichern den Alltag der Hühner, fördern die Bindung und können sinnvolle Nährstoffe liefern. Aber: maximal 10–15 % der täglichen Ration. Mehr verdrängt das Alleinfuttermittel.
| Leckerei | Vorteil | Menge |
|---|---|---|
| Mehlwürmer (Mealworms) | Hohes Protein, Hühner lieben sie – ideal zum Vertraut-Machen | Tägl. kleine Menge okay |
| Haferflocken (trocken) | Gute Energie, besonders im Winter | Handvoll täglich |
| Kürbis & Zucchini | Frischfutter und Beschäftigung; bittere oder verdorbene Früchte nie verfüttern | Kleine Portion |
| Äpfel & Beeren | Saftige saisonale Abwechslung; nur frisch und schimmelfrei anbieten | Gelegentlich wenig |
| Aprikosen, Pflaumen & Pfirsiche | Reifes Fruchtfleisch als Sommer-Extra; harte Steine vorher vollständig entfernen | Gelegentlich wenig |
| Mangold | Blätter und zerkleinerte Stiele als abwechslungsreiches Grünfutter | Wegen Oxalsäure maßvoll |
| Mais (frisch oder getrocknet) | Energielieferant im Winter, sehr beliebt | Maßvoll – macht fett |
| Grüne Kräuter | Oregano, Thymian, Minze – aromatisch und leicht gesundheitsfördernd | Nach Belieben |
| Gekochtes Ei (gehackt) | Hochwertiges Protein – gut nach Mauser oder Krankheit | 1–2× pro Woche |
| Wassermelone | Ideale Abkühlung im Sommer, Hühner lieben es | Im Sommer täglich |
Bei verarbeiteten Lebensmitteln ist zusätzlich die Herkunft entscheidend: Lies deshalb die Einordnungen zu Brot und Brötchen, Reis sowie Küchen- und Speiseabfällen. Weitere Lebensmittel findest du in der durchsuchbaren Futterliste A–Z.
Fütterung nach Lebensphase
Der Nährstoffbedarf ändert sich dramatisch mit dem Alter. Falsches Futter in der falschen Phase verursacht echte Schäden.
| Phase | Alter | Futter | Kalzium | Protein |
|---|---|---|---|---|
| Kükenstarter | 0–8 Wochen | Kükenstarter-Mehl | Niedrig (0,8–1%) | Hoch (18–20%) |
| Aufzuchtfutter | 8–18 Wochen | Junghennen-/Aufzuchtfutter | Mittel (1–2%) | Mittel (16–18%) |
| Legefutter | Ab 18–20 Wochen | Legemehl oder -pellets | Hoch (3–4%) | Mittel (15–16%) |
| Althennen ab 3 J. | Ab ca. 36 Monate | Legemehl + weniger Leckereien | Hoch | Normal |
Ausführlicher Ratgeber zum Kükenfutter inkl. Produktvergleich: Kükenfutter im Vergleich →
Mehr zur Kokzidiose durch verseuchte Einstreu – wichtig wenn Küken im Freiland oder auf Bestandsboden gehalten werden: Kokzidiose bei Küken →
Selbstgemachter Kükenstarter – Rezept & Zutaten erklärt
Kein Kükenstarter zur Hand, ein frisch geschlüpftes Gelege oder du willst die ersten Tage natürlich überbrücken? Dieser traditionelle Hausmix wird in ähnlicher Form seit Generationen von Bauern und Geflügelzüchtern eingesetzt. Ei, Haferflocken, Karotte, Brennnessel und Bierhefe liefern Energie, Eiweiß und verschiedene Mikronährstoffe – die meisten Zutaten hast du wahrscheinlich bereits zuhause.
Die Zutaten – und was jede bewirkt
Leicht verdauliche Kohlenhydrate als Energiebasis. Feine Haferflocken sind die perfekte Körnung für kleine Schnäbel – kein Mahlen nötig. Enthalten auch etwas Protein und Eisen.
Reich an Beta-Carotin (Vitamin A-Vorstufe) → stärkt Augen, Haut und Immunsystem von Tag 1. Gibt dem Mix etwas Feuchtigkeit, damit er nicht staubt. Fein reiben für sehr junge Küken.
Der Proteinstar des Mix: ~13 g Protein pro 100 g, alle essentiellen Aminosäuren, leicht verdaulich. Kein Zufall – in der Natur ist das Ei das erste Futter des Kükens (Dottersack). Hart kochen, fein hacken oder stampfen.
Getrocknete Brennnessel bringt pflanzliche Mineralstoffe und Blattbestandteile in den traditionellen Mix. Eine medizinische oder entzündungshemmende Wirkung ist damit nicht belegt. Nur getrocknet und fein gemahlen verwenden – getrocknete Brennnessel sticht nicht mehr.
Bierhefe liefert Protein und verschiedene B-Vitamine; die konkreten Gehalte unterscheiden sich je nach Produkt. Sie macht den Hausmix allein nicht bedarfsdeckend. Das feine Pulver sparsam und gleichmäßig unter den trockenen Anteil mischen.
Rezept – Tagesration für 6–8 Küken (Woche 1–2)
| Zutat | Menge | Vorbereitung |
|---|---|---|
| Haferflocken fein | 4 EL | Trocken, direkt verwenden |
| Karotten gerieben | 1 EL | Fein reiben, kurz vor dem Füttern |
| Gekochtes Ei | 1 Ei | Hart gekocht, fein gehackt oder gestampft |
| Brennessel getrocknet | 1 TL | Fein gemahlen (Mörser oder Kaffeemühle) |
| Bierhefe | ½ TL | Pulver direkt unter den Mix mischen |
Wann auf kommerzielles Kükenfutter umsteigen?
- →Ab Tag 5–7: Kommerziellen Kükenstarter (18–20 % Protein, mit oder ohne Kokzidiostatikum) als Hauptfutter einführen. Der Hausmix kann weiterhin täglich als Ergänzung bleiben.
- →Kokzidiose-Schutz planen: Kükenstarter mit oder ohne Kokzidiostatikum passend zu Impfstatus, Haltung und Kennzeichnung auswählen. Nicht pauschal kombinieren.
- →Hausmix nur als Übergang: Auch bei sauberer Aufzucht ersetzt er langfristig kein altersgerechtes, vollständiges Kükenfutter.
Kalzium & Magengrieß – die unterschätzten Extras
Kalzium für die Schale
Ein einzelnes Hühnerei enthält ca. 2 g reines Kalzium. Eine Henne, die 300 Eier pro Jahr legt, mobilisiert also 600 g Kalzium – ein erheblicher Teil davon aus dem eigenen Skelett, wenn das Futter nicht ausreicht. Kalziummangel ist eine der häufigsten Ursachen für Legenot.
- ✓Muschelkalk / Austernkalkschalen: Als separates freies Angebot neben das vollständige Futter stellen.
- ✓Gemahlene Eierschalen: Können zurückgegeben werden, wenn sie gut getrocknet und gemahlen sind. Nicht als ganzes Ei – sonst lernen sie Eier aufzupicken.
- ✓Legemehl reicht oft nicht: Bei sehr hoher Legeleistung oder im Sommer (wenn viel getrunken wird) kann trotz Legemehl Kalziummangel auftreten.
Zusammenhang Kalziummangel → Legenot: Legenot-Ratgeber →
Magengrieß – die Zähne des Huhns
Hühner haben keine Zähne. Die Nahrung wird im Muskelmagen (Gizzard) durch Steinchen zerrieben. Ohne ausreichend Magengrieß kann Futter nicht richtig verdaut werden.
- →Freilandhühner nehmen ausreichend Steinchen beim Picken auf – kein Zusatz nötig.
- →Stallhühner ohne Auslauf brauchen Magengrieß (grober Granit oder Flint) als freies Angebot.
- →Kieselgur im Sandbad hilft zusätzlich gegen Milben – ein doppelter Nutzen. Einstreu-Ratgeber →
Fütterungsfehler und ihre Folgen
| Fehler | Was passiert | Lösung |
|---|---|---|
| Nur Körner füttern | Proteinmangel, schlechtes Federkleid, wenige Eier | Alleinfuttermittel als Basis |
| Legemehl an Küken | Nierenschäden durch Kalziumüberschuss | Kükenstarter bis 18 Wochen |
| Zu viele Leckereien | Übergewicht, Fettleber, weniger Eier | Max. 10–15 % der Ration |
| Kein Kalzium-Zusatz | Weiche Schalen, Legenot, Knochenabbau | Muschelkalk als freies Angebot |
| Futter nachts stehen lassen | Ratten, Mäuse, Schimmel im Futter | Abends Tröge leeren oder sichern |
| Kein frisches Wasser | Sofortiger Legestop, Dehydrierung | Täglich frisches Wasser prüfen |
| Schimmliges Futter | Mykotoxine – kann tödlich sein | Futter regelmäßig prüfen, nie feuchte Lagerung |
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Häufige Fragen zur Fütterung
Was fressen Hühner am liebsten?
Mehlwürmer, Hirse, Haferflocken, Mais, reife Tomaten, Kürbis und grünes Blattgemüse. Als Grundfutter brauchen sie aber ein ausgewogenes Alleinfuttermittel – Extras sollten nur einen kleinen Anteil ausmachen.
Was darf Huhn auf keinen Fall fressen?
Avocado (alle Teile), Schokolade, rohe Bohnen, grüne Kartoffeln und Kartoffelkraut, große Mengen Zwiebeln und Knoblauch, Nachtschattengewächse, Salz in großen Mengen. Schimmliges Futter ist immer gefährlich.
Wie viel Futter braucht ein Huhn pro Tag?
Ca. 100–130 g Alleinfuttermittel. Bei Freilandhaltung mit gutem Bewuchs deutlich weniger Zukauf nötig, da Insekten und Gräser den Bedarf ergänzen.
Dürfen Hühner Brot essen?
Brot vom Tisch oder aus der Küche zählt zu Küchen- beziehungsweise Speiseabfällen und darf Legehennen nicht verfüttert werden. Zusätzlich liefert es viel Salz, aber keine ausgewogene Ration. Zur Rechtslage und zum Küchenreste-Check →
Brauchen Hühner Kalzium extra?
Ja, besonders legende Hennen. Ein Ei enthält ca. 2 g Kalzium. Muschelkalk oder Austernkalkschalen als freies Angebot daneben stellen – Hühner regulieren die Aufnahme selbst.
Was ist der Unterschied zwischen Kükenstarter und Legemehl?
Kükenstarter hat höheres Protein (18–20%) und wenig Kalzium (0,8–1%). Legemehl hat mehr Kalzium (3–4%) und weniger Protein (15–16%). Falsch zuordnen schädigt Küken oder vermindert die Legeleistung der Hennen.