⚠️ ILT-Verdacht? Sofort das Veterinäramt benachrichtigen – ILT ist anzeigepflichtig!
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ILT & Infektiöse Bronchitis –
Gefährliche Atemwegsviren

Blutig-schleimiger Auswurf und Hühner, die keuchend den Hals strecken – oder Rasseln, missgeformte Eier und Legeleistungseinbrüche. Hinter diesen Symptomen stecken zwei verschiedene Viren: ILT und IB. Was du wissen musst, um zu handeln.

🦠 Herpesvirus (ILT) 🦠 Coronavirus (IB) 💉 Impfung verfügbar ⚠️ Hochansteckend
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ILT vs. IB – die wichtigsten Unterschiede

ILT und IB sind beide hoch ansteckende Viruserkrankungen des Atemtrakts beim Huhn – aber sie werden von grundverschiedenen Erregern verursacht und unterscheiden sich stark in Verlauf, Gefährlichkeit und rechtlichen Konsequenzen.

MerkmalILTIB
ErregerGallid Herpesvirus 1Aviäres Coronavirus (IBV)
HauptsymptomeBlutiger Schleim, starke Atemnot, Hals-StreckenRasseln, Niesen, Nasenausfluss, missgeformte Eier
Sterblichkeit10–70 % (je nach Stamm)Niedrig bis mittel (abhängig vom Stamm)
Inkubationszeit6–12 Tage2–6 Tage
LegeleistungStark reduziert während ErkrankungDeutlich reduziert; Dauerfolgen möglich
Meldepflicht (D)Ja – anzeigepflichtigNein
Impfung verfügbarJa (Lebendimpfstoff)Ja (mehrere Serotypen)
Latenz / TrägerstatusJa – Herpesviren bleiben latentKein klassisches Carrier-Phänomen
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ILT ist anzeigepflichtig Bei begründetem Verdacht auf ILT muss das zuständige Veterinäramt sofort benachrichtigt werden. Wer einen Verdacht nicht meldet, macht sich strafbar. Warte nicht auf eine laborgestützte Bestätigung – der Verdacht allein reicht aus.
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ILT – Symptome & Krankheitsbild

Die Infektiöse Laryngotracheitis (ILT) ist eine hochakute Viruserkrankung, die den Kehlkopf (Larynx) und die Luftröhre (Trachea) befällt. Das Virus (Gallid Herpesvirus Typ 1) verursacht schwere Schleimhautentzündungen mit Hämorrhagien – blutige Schleimhauterosionen sind pathognomonisch.

Klinische Symptome

  • !Blutiger, schleimiger Auswurf – Tiere husten oder schütteln Kopf und spritzen blutigen Schleim; Einstreu und Stallwände können Blutspuren zeigen
  • !Gaping (Hals-Strecken) – Hühner strecken den Hals weit nach vorne und oben, um Luft zu schnappen; charakteristisches Bild
  • !Starke Atemnot – Mundatmung, pfeifende oder röchelnde Atemgeräusche, Panikreaktion
  • !Tränenfluss, geschwollene Augenlider – das Virus kann auch die Konjunktiven befallen
  • !Apathie, Fressunlust – schwer betroffene Tiere verweigern jede Nahrungsaufnahme
  • !Plötzliche Todesfälle – bei perakutem Verlauf sterben Tiere innerhalb von 24–48 Stunden durch Erstickung

Pathologischer Befund

Bei der Sektion zeigen sich charakteristische orangefarbene bis blutige Schleimhauterosionen in Larynx und Trachea sowie käsige Pfröpfe, die die Luftröhre verlegen können. Dieser Befund ist nahezu beweisend für ILT.

Inkubationszeit & Ausbreitung

Die Inkubationszeit beträgt 6–12 Tage. Das Virus breitet sich aerogen extrem schnell aus – innerhalb von wenigen Tagen kann ein gesamter Bestand betroffen sein. Tiere, die überlebt haben, können lebenslang latente Träger bleiben und den Erreger unter Stress reaktivieren und ausscheiden.

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Bei ILT-Verdacht: Sofort Veterinäramt anrufen Isoliere betroffene Tiere sofort vom Restbestand. Betrete den Stall nur mit Schutzkleidung und wechsele Schuhe. Informiere das Veterinäramt noch am selben Tag. Das Amt koordiniert das weitere Vorgehen.
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IB – Symptome & Krankheitsbild

Die Infektiöse Bronchitis (IB) wird durch aviäre Coronaviren verursacht. Im Gegensatz zu SARS-CoV-2 sind diese Viren streng wirtsspezifisch und stellen keine Gefahr für den Menschen dar. IB ist weltweit verbreitet und einer der wirtschaftlich bedeutendsten Geflügelkrankheitserreger.

Die verschiedenen IB-Stämme

IBV existiert in zahlreichen Serotypen und Genotypen, die sich in ihren Eigenschaften deutlich unterscheiden:

TypHauptbefallBesonderheiten
Respiratorischer Typ (z. B. H120, Mass)Trachea, BronchienKlassischer Verlauf; Rasseln, Niesen; häufigste Impfzielstämme
Nephropathogener Typ (z. B. 4/91, QX)NierenNierenversagen möglich; erhöhte Sterblichkeit; wässriger Kot
Reproduktiver TypEileiter, OvarienLegeleistungsrückgang, missgeformte Eier, "False Layer"-Syndrom

Klinische Symptome

  • !Niesen, Rasseln, Trachealgeräusche – oft das erste Zeichen; besonders nachts hörbar
  • !Nasenausfluss (serös bis schleimig) und Tränenfluss
  • !Missgeformte Eier ("rubber eggs") – runzlige, weiche, dünnschalige oder doppelte Eischale; wässriges Eiklar
  • !Legeleistungsrückgang bis zu 50 % während akuter Phase
  • !Wässriger Durchfall bei nephropathogenen Stämmen

False-Layer-Syndrom

Wenn Küken in den ersten Lebenswochen mit IB infiziert werden, kann der sich entwickelnde Eileiter dauerhaft beschädigt werden. Diese Hennen ("False Layers") entwickeln sich äußerlich normal, produzieren aber niemals Eier – der Eileiter ist vernarbt und funktionslos. Dieses Syndrom ist irreversibel und kann nicht behandelt werden.

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Küken besonders schützen IB-Infektionen in den ersten Lebenswochen hinterlassen dauerhafte Schäden am Eileiter. Küken und Junghennen sollten strikt vom restlichen Bestand getrennt aufgezogen werden, bis die Immunisierung abgeschlossen ist.
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Diagnose & Meldepflicht

Sowohl ILT als auch IB können klinisch zunächst ähnlich aussehen. Eine laborgestützte Diagnose ist unerlässlich – besonders bei ILT, da hier rechtliche Konsequenzen drohen.

Diagnostische Methoden

  • PCR (Trachea-/Rachenabstrich) – Goldstandard für beide Erreger; unterscheidet ILT, IB-Stämme und andere Atemwegserreger; Ergebnis in 1–3 Tagen
  • Histopathologie (Sektion) – bei Todesfällen; charakteristische Befunde in Trachea (ILT) oder Bronchien/Nieren (IB) bestätigen die Diagnose
  • Virusisolierung – langwierig, selten in der Routinediagnostik; für Stammcharakterisierung relevant
  • Serologie (ELISA, SN-Test) – Antikörpernachweis; belegt stattgefundene Infektion oder Impferfolg, aber nicht den aktuellen Status

ILT: Meldepflicht und rechtliche Konsequenzen

⚖️
ILT ist anzeigepflichtig nach Tiergesundheitsgesetz (TierGesG §4) Bei begründetem Verdacht – also klinischem Bild, das zu ILT passt – muss das Veterinäramt sofort informiert werden. Was dann passieren kann: Bestandssperre (kein Zukauf/Verkauf/Transport), obligatorische Laboruntersuchung, bei Bestätigung ggf. Keulung des Bestands und Stallsperrzeit. Nichtmeldung ist eine Ordnungswidrigkeit.

Praktisches Vorgehen bei Verdacht

  • 1Betroffene Tiere sofort isolieren, Bestand nicht verlassen ohne Schuhwechsel
  • 2Veterinäramt telefonisch kontaktieren und Symptome schildern
  • 3Auf Anweisung des Veterinäramts tote oder sterbende Tiere für Einsendung verwahren (Kühltasche)
  • 4Kontakte zu anderen Geflügelhaltungen vorübergehend einstellen
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Impfung gegen ILT & IB

Für beide Erkrankungen stehen Impfstoffe zur Verfügung, die in Deutschland über den Tierarzt bezogen werden können. Impfungen sind das effektivste Mittel zur Bestandsprotektion – besonders in Gebieten mit bekannter Viruszirkulation.

ILT-Impfung

AspektDetails
ImpfstofftypLebendimpfstoff (attenuiertes Herpesvirus), z. B. Nobilis ILT, Poulvac ILT
ApplikationAugentropfen (individuell, beste Immunogenität) oder Trinkwasser (Herde)
ImpfalterAb 4–6 Wochen; vor Kontakt mit belasteter Umgebung
Wichtige EinschränkungImpfvirus kann sich im Bestand und auf Nachbarbestände ausbreiten – Absprache mit Veterinäramt empfohlen
SchutzwirkungGut; verhindert klinische Erkrankung und reduziert Virusausscheidung stark
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Lebendimpfstoffe können sich ausbreiten ILT-Lebendimpfstoffe replizieren sich im Tier und können auf nicht geimpfte Tiere übertragen werden. In Gebieten ohne ILT-Belastung ist Vorsicht geboten – der Impfvirus kann selbst Erkrankungen verursachen, wenn er sich unkontrolliert verbreitet. Rücksprache mit dem Tierarzt ist zwingend.

IB-Impfung

AspektDetails
ImpfstofftypLebendimpfstoffe (z. B. H120, 4/91, Ma5) und inaktivierte Kombivakzinen
ApplikationAugentropfen, Nasenspray oder Trinkwasser (Grundimmunisierung); inj. Booster bei Legehennen
Herausforderung SerotypenViele IBV-Serotypen mit wenig Kreuzschutz; Impfschutz oft stammspezifisch
ImpfschemaGrundimmunisierung als Küken (H120), Booster mit regionalem Stamm; Wiederholung alle 8–12 Wochen in Endemiegebieten
SchutzwirkungGut gegen geimpfte Stämme; lückig bei abweichenden Feldviren
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Welche Stämme impfen? Der lokal zirkulierende IB-Serotyp bestimmt, welcher Impfstoff sinnvoll ist. Ein Geflügeltierarzt oder das zuständige Veterinäramt kann basierend auf regionalen Überwachungsdaten empfehlen, welche Stämme im Impfprogramm enthalten sein sollten.
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Seuchenmanagement, Vorbeugung & häufige Fragen

Biosicherheit & Seuchenmanagement

  • Kein Besucherzugang ohne Schuhwechsel und Kittel – Schuhe sind der häufigste Eintragsweg für Viruserkrankungen
  • Neue Tiere aus gesundheitszeugnis-belegten Quellen – Herkunft transparent, Gesundheitsstatus dokumentiert
  • Desinfektionsfußmatten am Stalleingang – viruzide Mittel (z. B. Virkon S) regelmäßig auffüllen
  • Bei ILT-Ausbruch: Kein Zukauf, kein Verkauf – bis das Veterinäramt die Sperre aufhebt
  • Stallreinigung nach Ausbruch mit zugelassenen viruziden Desinfektionsmitteln; Leerstandszeit mindestens 2–4 Wochen
  • Separate Aufzucht von Küken – schützt vor False-Layer-Syndrom durch IB-Frühinfektionen
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Häufige Fragen zu ILT & IB

Ist ILT in Deutschland meldepflichtig?

Ja. ILT ist nach dem Tiergesundheitsgesetz (TierGesG) anzeigepflichtig. Bei Verdacht muss sofort das zuständige Veterinäramt benachrichtigt werden. Das Amt kann den Bestand sperren und ggf. eine Keulung anordnen. IB ist dagegen nicht meldepflichtig.

Können Menschen sich mit ILT oder IB infizieren?

Nein. Weder Gallid Herpesvirus 1 (ILT) noch aviäre Coronaviren (IB) stellen eine Gefahr für den Menschen dar. Beide Erreger sind streng wirtsspezifisch und können den menschlichen Organismus nicht infizieren.

Wie lange überleben IB- und ILT-Viren in der Umwelt?

Das ILT-Herpesvirus überlebt außerhalb des Wirts nur wenige Tage bis maximal 2 Wochen. Das IB-Coronavirus ist ähnlich instabil, überlebt aber in getrocknetem Material und bei Kälte etwas länger. Beide Viren werden durch gängige viruzide Desinfektionsmittel wie Virkon S zuverlässig inaktiviert.

Sind Eier von IB-infizierten Hühnern unbedenklich?

Ja, aviäre Coronaviren sind keine Zoonoseerreger und stellen kein Lebensmittelsicherheitsproblem dar. Eier von erkrankten Hennen sind jedoch oft qualitativ minderwertig (missgeformt, wässriges Eiklar). Nach Überwindung der Erkrankung normalisiert sich die Eiqualität meist wieder.

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Daniel Schwalb – Autor
Hobbyhalter seit über 10 Jahren · Praxiserfahrung mit Hühnergesundheit, Brut & Stallbau
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