Orpington
Der sanfte Riese aus England
Flauschig, ruhig und ausgesprochen zutraulich – das Orpington-Huhn ist die erste Wahl für Einsteiger, Familien und alle, die ein besonders schönes, unkompliziertes Huhn suchen. Kein Wunder, dass es einst die Lieblingshühner der britischen Königsfamilie waren.
Steckbrief Orpington-Huhn
| Merkmal | Info |
|---|---|
| Herkunft | England (Orpington, Kent), 1886 |
| Gewicht Hahn | 4,0 – 4,5 kg |
| Gewicht Henne | 3,0 – 3,5 kg |
| Eierfarbe | Hellbraun bis cremefarben |
| Eier / Jahr | 150 – 200 |
| Eiergewicht | 55 – 65 g |
| Kamm | Einfachkamm |
| Besonderheit | Flauschiges, üppiges Gefieder; sehr ruhig |
| Charakter | Sanft, zutraulich, kinderfreundlich |
| Haltungsform | Bodenhaltung; kein Hochsitz nötig |
Das Orpington ist eine der charaktervollsten und beliebtesten Hühnerrassen der Welt. Was es besonders macht, ist nicht primär die Legeleistung oder das Fleisch – es ist die Kombination aus außergewöhnlicher Sanftheit, spektakulärem Erscheinungsbild und einer Zutraulichkeit, die selbst bei Kindern Begeisterung auslöst. Für Einsteiger in die Hühnerhaltung ist das Orpington oft die erste Empfehlung.
Herkunft & Geschichte
William Cook züchtete das Orpington-Huhn ab 1886 in der gleichnamigen Stadt Orpington im englischen Kent. Sein erklärtes Ziel war ambitioniert: eine Rasse zu schaffen, die gleichzeitig exzellente Legeleistung, gutes Fleisch und ein besonders schönes Erscheinungsbild vereint – und dabei auch noch für das kühle englische Klima taugt.
Cook kreuzte für seine erste Variante Minorca-Hähne (für Legeleistung) mit Black Plymouth Rock-Hennen und anschließend mit Langshan (für Körperfülle und dunkles Gefieder). Das Ergebnis war das schwarze Orpington, das 1886 erstmals öffentlich vorgestellt wurde und sofort Aufsehen erregte.
Die bekannteste Farbe, Buff (goldgelb/sandfarben), entwickelte Cook einige Jahre später durch Einkreuzung von Buff Cochins und Dorkings. Diese Farbe wurde zum weltweiten Markenzeichen der Rasse – warm, einladend und unwiderstehlich flauschig.
In Deutschland werden Orpingtons seit Beginn des 20. Jahrhunderts gehalten. Heute sind alle klassischen Farbschläge – Buff, Schwarz, Weiß, Blau und Gesperbert – in deutschen Rassegeflügelvereinen anerkannt und auf Schauen vertreten. Die Rasse gehört zu den zuverlässig beliebtesten Hühnerrassen in der deutschen Hobbytierhaltung.
Aussehen & Erkennungsmerkmale
Das Orpington ist auf den ersten Blick unverwechselbar. Das auffälligste Merkmal ist das üppige, lockere Gefieder, das den Körper fast kugelrund erscheinen lässt. Die Silhouette erinnert an eine lebende Federkugel – tief, breit, fast ohne sichtbaren Hals. Tatsächlich ist der Hals da, er ist nur im Gefieder versteckt.
Körperbau
- Rücken: Sehr breit, kurz und tief – fast rechteckig von der Seite betrachtet
- Beine: Kurz und kräftig, oft kaum sichtbar unter dem vollen Gefieder
- Kamm: Kleiner Einfachkamm, aufrecht, 4–5 Zacken
- Lappen: Rot, mittelgroß
- Augen: Dunkel, lebendig
- Läufe: Fleischfarben bei Buff, schwarz bei schwarzen Tieren, weiß bei weißen
Anerkannte Farbschläge
| Farbschlag | Gefiederfarbe | Verbreitung |
|---|---|---|
| Buff | Warm goldgelb, gleichmäßig | Weltweit häufigster Farbschlag |
| Schwarz | Tief schwarz mit grünem Schimmer | Sehr verbreitet in Deutschland |
| Blau | Mittelblau-grau, gleichmäßig | Beliebt, etwas seltener |
| Weiß | Reinweiß | Selten, aber anerkannt |
| Gesperbert | Schwarz-weiß gesperbert | Sehr selten |
Charakter & Wesen
Der Charakter des Orpington-Huhns ist so herausragend wie sein Äußeres. Die Rasse gilt als eine der ruhigsten und freundlichsten Hühnerrassen überhaupt – und das ist keine Übertreibung.
Zutraulichkeit
Orpingtons sind ausgesprochen handahm. Sie kommen auf Menschen zu, lassen sich aufheben, streicheln und auf dem Schoß halten. Selbst ohne gezielte Handaufzucht zeigen sie kaum Scheu. Für Familien mit Kindern sind sie daher ideal – Kinder können mit ihnen umgehen, ohne dass die Hühner ängstlich reagieren oder hacken.
Ruhe und Gelassenheit
Orpingtons strahlen eine ruhige Gemütlichkeit aus. Sie rennen nicht panisch davon, erschrecken nicht leicht und bringen auch selten andere Hühner in Aufruhr. In einer gemischten Herde sind sie fast immer die friedlichsten Mitglieder. Aggression ist bei dieser Rasse die absolute Ausnahme.
Gluckenneigung
Orpington-Hennen sind ausgezeichnete Mütter und werden außergewöhnlich häufig Glucken. Das ist einerseits ein Vorteil – wer Küken unter einer echten Glucke aufziehen möchte, findet in einer Orpington-Henne eine zuverlässige Pflegemutter sogar für fremde Küken oder Entenküken. Andererseits unterbricht das Glucken die Legeperiode erheblich.
Haltung & Anforderungen
Orpingtons sind anspruchslos in den meisten Bereichen – haben aber einige spezifische Bedürfnisse, die durch ihr üppiges Gefieder und ihren Körperbau entstehen.
Stalleinrichtung
- Sitzstangen: Maximal 40–50 cm hoch! Orpingtons können sich beim Herunterspringen von höheren Stangen Beinverletzungen und Fußballenentzündungen (Bumblefoot) zuziehen. Niedrige, breite Stangen sind Pflicht.
- Einstreu: Tief und weich – gut für die Läufe und angenehm beim Scharren. Stroh oder Hobelspäne in ausreichender Schicht.
- Nestkästen: Etwas größer als Standard empfohlen, da Orpingtons breite Tiere sind. Min. 35×35 cm pro Nestkasten.
- Platz: Trotz ihrer Ruhe brauchen Orpingtons ausreichend Stallplatz. Das Körpervolumen ist groß – engeste Haltung führt zu Stress.
Gefieder und Nässe
Das dichte, üppige Gefieder ist bei trockenem Wetter ein Segen – bei anhaltendem Nässe aber kann es sich mit Wasser vollsaugen und schwer werden. Orpingtons brauchen zwingend einen trockenen Unterstand bei Regen. Nasses Gefieder trocknet langsam und begünstigt Erkältungen und Pilzbefall der Haut.
Hitze
Das dichte Gefieder ist bei sommerlicher Hitze ein Problem. Bei Temperaturen über 30 °C brauchen Orpingtons zwingend Schatten und ständig frisches, kühles Wasser. Hitzestress äußert sich durch Hecheln, ausgebreitete Flügel und Appetitlosigkeit. In Extremsituationen kann Hitzeschlag tödlich sein.
Kälte
Orpingtons sind dagegen ausgesprochen kältetolerant. Ihr üppiges Gefieder isoliert hervorragend. Sie vertragen problemlos Temperaturen unter null Grad, solange der Stall trocken und zugluftfrei ist.
Legeleistung & Wirtschaftlichkeit
Orpingtons sind zuverlässige, aber keine Hochleistungsleger. Die Jahresproduktion von 150–200 Eiern ist für eine Zweinutzungsrasse solide. Wer Eierproduktion maximieren will, greift zu Legehybridrassen. Wer aber eine schöne, langlebige Rasse mit guter Eigenversorgung sucht, ist mit dem Orpington sehr gut bedient.
| Vergleich | Orpington | Legehybride | Marans |
|---|---|---|---|
| Eier/Jahr | 150–200 | 280–320 | 150–200 |
| Eierfarbe | Hellbraun/creme | Weiß oder braun | Sehr dunkelbraun |
| Gluckenneigung | Sehr hoch | Sehr gering | Gering |
| Legejahre | 4–6 Jahre | 2–3 Jahre optimal | 4–5 Jahre |
| Fleischnutzung | Gut (Hähne) | Schlecht | Gut (Hähne) |
Gluckenneigung und ihre Folgen
Die starke Neigung zum Brüten ist der größte Faktor, der die Jahresleistung beeinflusst. Eine glucke Orpington-Henne legt in dieser Zeit keine Eier – und eine Brutphase mit anschließender Aufzucht kann 8–12 Wochen dauern. Bei 2–3 Brutphasen pro Jahr reduziert sich die effektive Legeleistung spürbar.
Hähne und Fleischnutzung
Orpington-Hähne entwickeln sich zu stattlichen Tieren mit gutem Fleischansatz. Schlachtgewichte von 2,5–3,5 kg sind üblich. Das Fleisch gilt als wohlschmeckend und zart. Für Halter, die eine echte Zweinutzungsrasse wollen – also sowohl Eier als auch Fleisch aus dem eigenen Bestand – ist das Orpington eine hervorragende Wahl.
Für wen eignet sich das Orpington-Huhn?
- ✓Einsteiger in die Hühnerhaltung: Kaum eine Rasse ist so verzeihand, ruhig und unkompliziert. Orpingtons machen Anfängern das Leben leicht und entlasten mit ihrem friedfertigen Wesen erheblich.
- ✓Familien mit Kindern: Orpingtons lassen sich anfassen, tragen und streicheln. Sie sind praktisch nie aggressiv und reagieren ruhig auf hektische Kinder – ideal für pädagogische Projekte oder einfach ein schönes Erlebnis.
- ✓Natürliche Kükenaufzucht: Wer auf die zuverlässige Glucke einer echten Mutterhenne setzt, findet in Orpingtons die besten Kandidatinnen. Ideal für Züchter und alle, die keine Brutmaschine nutzen wollen.
- ✓Schöner Hausgarten: Orpingtons sind dekorativ wie keine zweite Rasse. Ein Buff Orpington im grünen Garten ist ästhetisch unschlagbar und für viele Halter auch ein Teil des Gartenkonzepts.
- ✓Zweinutzungshalter: Wer sowohl Eier als auch Fleisch aus dem eigenen Bestand gewinnen möchte, bekommt mit Orpingtons beides in solider Qualität.
- ✗Nicht für intensive Eierproduktion: Wer täglich möglichst viele Eier braucht, ist mit einer Legehybride oder Leghornhuhn besser bedient. Orpingtons legen gut, aber nicht rekordverdächtig.
- ✗Nicht für sehr nasse Böden ohne Unterstand: Ohne Schutzmöglichkeit vor Nässe leidet das Gefieder. Auf dauerhaft feuchtem Untergrund sind Orpingtons nicht ideal.
Häufige Fragen zum Orpington-Huhn
Welche Farbe ist die beliebteste beim Orpington?
Buff (sandgelb/goldfarben) ist weltweit die beliebteste Orpington-Farbe und hat die Rasse berühmt gemacht. In Deutschland sind auch Schwarz und Blau sehr verbreitet. Weiß und Gesperbert sind seltener, aber ebenfalls anerkannte und wunderschöne Farbschläge.
Werden Orpingtons zutraulich?
Ja, sehr. Orpingtons gehören zu den zahmsten Hühnerrassen überhaupt. Bei regelmäßigem Kontakt ab dem Kükenalter werden sie ausgesprochen handahm, kommen auf Menschen zu und lassen sich problemlos aufheben. Auch ohne gezielte Handaufzucht sind sie selten scheu oder aggressiv.
Wie oft werden Orpington-Hennen Glucken?
Orpingtons neigen sehr stark zum Glucken – 2 bis 3 Brutphasen pro Jahr sind keine Seltenheit. Da das Brüten die Lege unterbricht, sollten Halter, die möglichst viele Eier wollen, das Brüten durch Entfernen der Eier und Unterbrechen der Bruthaltung aktiv unterbinden. Wer aber Nachwuchs aufziehen möchte, hat in der Orpington-Glucke eine zuverlässige Partnerin.
Sind Orpingtons hitzeempfindlich?
Ja. Durch ihr dichtes, üppiges Gefieder können Orpingtons bei großer Sommerhitze leiden. Schatten, frisches kühles Wasser und gute Belüftung des Stalls sind bei Temperaturen über 28–30 °C unbedingt notwendig. Im Extremfall kann Hitzestress gefährlich werden – die Tiere sollten bei Hitze aktiv beobachtet werden.
Können Orpingtons fliegen?
Kaum. Das Gewicht und das voluminöse Gefieder machen Orpingtons de facto flugunfähig. Zäune von 60–80 cm Höhe reichen vollständig aus. Das macht sie ideal für Gärten mit niedrigen Einfriedungen und für Halter, die keine aufwendigen Absicherungen bauen möchten.
📅 Letzte Bearbeitung: 17. Juni 2026